Mittwoch, 24. März 2010

Steuersünder-CD

Welt Online
URL: http://www.welt.de/kultur/article6301015/So-sehen-Cover-fuer-die-Steuersuender-CD-aus.html
Von Ulf Poschardt 9. Februar 2010, 09:19 Uhr

Wer 2,5 Millionen Euro für eine CD bezahlt, darf ja wohl ein anspruchsvolles Cover erwarten. Deshalb bat WELT ONLINE berühmte Plattencover-Künstler um ihre Entwürfe für die Steuersünder-CD, die Wolfgang Schäuble so gerne haben würde. Es geht schließlich um einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro.

Sie sei, so jubelten Freunde der Finanzbürokratie, die erfolgreichste CD der Welt. "Sie spielt viele, viele Millionen Euro ein", schwärmt ein Münchner Jurist mit Herz für die Steuerfahndung, "und zwar schon bevor sie in irgendein Abspielgerät eingelegt wurde."

Die Käufer wie User der CD sind prominent: die Finanzminister in Bund und Ländern. Wie im CD-Geschäft üblich, gab es erste Kostproben umsonst, um die Qualität des Inhalts der CD zu gewährleisten. Die Dramaturgie der Präsentation folgt dem Ideal großer Blockbuster und vermuteter Bestseller.

Inhalt und Autor faszinieren, obwohl nichts Genaues bekannt ist. Wie bei jedem soliden Stück Popkultur lebt das Produkt am Anfang von seinem Hype: Gleichzeitig laufen die Rechenmaschinen im Hintergrund schon. Für die Daten von 1500 Steuerpiraten investieren Bund und Länder 2,5 Millionen und können damit geschätzte 400 Millionen Euro Einnahmen erhoffen, von den Kollateralzahlungen verschreckter Geldanleger abgesehen, die auf der CD gar nicht auftauchen.

Dass die deutschen Finanzbehörden dabei tief in die Grauzone der Rechtsstaatlichkeit vordringen, folgt frühen Strategien des Pop. Doch seit der Rapper Biz Markie 1993 erklärte "All Samples Cleared!", zu Deutsch: alle Rechte geklärt, hat die Popkultur aller Rebellionen die Legalität als Teil ihrer Vorbildfunktion verstanden.

Die Autorschaft des CD-Inhalts ist nicht eben geklärt. Da gibt es zum einen die Verwaltungssoftware der Schweizer Bank Credit Suisse, und dann gibt es wohl noch einen adretten Monegassen namens Hervé Falciani, der wohl die Coverversion der nicht zur Veröffentlichung bestimmten Daten erstellte. Seit 2008 scheint er auf der Flucht und bietet seine Ware aus dem Underground selbst- und kostenbewusst an.
Video
Mehr Videos

Der 38-Jährige ist auf dem Weg, zum Popstar unter den Industriespionen zu werden, für Experten gilt er dagegen lediglich als der "Archetyp des maximalen internen Sicherheitsrisikos" ("taz"). Mit dem europaweiten Wirbel um die CD, die einst befreundete Länder wie Deutschland und die Schweiz entzweite, schafft Falciani den Boden für Epigonen, die ähnliche CDs produzieren werden.

Das Medium ist die Botschaft, heißt es bei Marshall McLuhan, und eine der vielen Botschaften ist, dass durch die Speicherfähigkeiten der CDs der Klau auch von ungeheuren Datenmengen vergleichsweise schnell, kostengünstig und ein wenig banal geschehen kann. Der Datendiebstahl ist eine White-Collar-Kriminalität, in seiner unheroischen Art stilarmer Ausfluss der Angestelltenkultur. Der Dieb oder Denunziant muss keine größere Geschicklichkeit beweisen: Er schafft nichts, sondern kopiert. Der aufgeklärte Teil der Popmusik blickte stets illusionsfrei auf die Neugier des Staates, wenn es um die Einkünfte seiner Untertanen ging. In der aktuellen Version von "Computerwelt" singen Kraftwerk: "Finanzamt und das BKA / haben unsere Daten da".


Die Denunzierten sind Marginalisierte der Gesellschaft: Mit zu viel gutem Willen könnte man sie als Rebellen gegen die Enteignung der Steuer bezeichnen. Anders als der beliebte Robin Hood zum Beispiel wollen sie das dabei Erbeutete (weil nicht Versteuerte) in der Regel aber nicht an die Armen abgeben, sondern für sich behalten. Dafür inszeniert sich der Sozialstaat als eine Mischung aus Leviathan und Robin Hood.

Die Steuersünder sind die unbekannten Protagonisten der CD. Sie flüchten vor einem ungelösten Problem der Politik wie Piraten in einen bis vor Kurzem sicheren Hafen wie die Schweiz. Die Steuerpiraten sind in der gleichheitsseligen Bundesrepublik besonders verhasst, weil sie vermögend sind. Weit weniger Erregungspotenzial bieten die Millionen von Schwarzarbeitern und Schwarzarbeitsfreunden. Sie markieren den unteren Rand jener Steuerflucht, die in Deutschland keineswegs eine Sache der Reichen und Unschönen ist.

1 von 18
Der große Streit um die Daten-CD
Soll Deutschland auf das Angebot des Informanten eingehen und 2,5 Millionen Euro für Hinweise zur Steuerhinterziehung bezahlen? Das sagen Politiker und Wirtschaftsexperten:


Der CD wünscht man eine Zukunft als Kulturgut im Haus der Geschichte. Dann könnte sie irgendwann junge Menschen daran erinnern, dass Deutschland einst eine vollkommen absurde Steuerordnung hatte, welche die Erfolgreichen zur Flucht zuerst ihres Vermögens, dann der von ihnen geschaffenen Arbeitsplätze ins Ausland zwang - und den Rest der Bevölkerung zu einem Haufen von Schwarzarbeitern und Schwarzarbeitsfreunden.

Blickt man auf die verschiedenen politischen Mehrheiten im Augenblick und auf eine SPD, die sich nichts sehnlicher wünscht als eine verfassungswidrige Vermögenssteuer, dann könnte diese CD und ihr nicht eben rechtmäßiger Erwerb auch zum Gründungsmythos eines fiskalischen Überwachungsstaates werden.


Dem vorausgehen würde eine verstärkte Produktion solcher CDs bis hin zu Milliarden versprechenden CD-Boxen. Ist dann irgendwann die letzte Steueroase ausgetrocknet, bleibt den Steuerfahndern nur mehr das Studium von Bewirtungsbelegen jener knauserigen Angestellten und Angestellten-Ideologen in den Zeitungen, die dann noch in der Bundesrepublik leben wollen.
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel auf WELT ONLINE dazu verpassen?




© Axel Springer AG 2010 . Alle Rechte vorbehalten.

1 Kommentar:

  1. Unsere Gruppe entstand nach vielen Ablehnungen von Anträgen auf Kredit von der Öffentlichkeit von den Banken gesucht
    Wir sind offen für unsere Hilfe bringen alle Arten von in Europa lebenden Menschen, die sich in einer finanziellen sorgen für den Kauf eines Hauses, Auto. Gründung eines Unternehmens; Schuldenmanagement, usw. unser beträgt 2 bis 3 % nach den geforderten Betrag, wir benötigen nicht nur Sicherheiten (Verpfändung) bevor der Kredit gewähren, wir wollten nur der Gutgläubigkeit der Kunden sicher sein.
    Für weitere Informationen hier ist unsere e-Mail-Adresse : roy.renne1@gmail.com

    Frau Roy

    AntwortenLöschen